Wenn Start und Landung keine Kompromisse zulassen
SAP R/3 für die Lufthansa Cargo AG
Lufthansa Cargo AG, eine 100%ige Tochter der Lufthansa AG, ist weltweit Marktführer als moderner Luftfrachtdienstleister. Ihr Linienstreckennetz umfasst 450 Destinationen. 15 Frachtflugzeuge sind ständig im Einsatz und transportieren täglich bis zu 2500 Tonnen Fracht. Die enge Zusammenarbeit zwischen Partnern und Experten ermöglicht schnelle Logistiklösungen für Kunden in der ganzen Welt. 1997 transportierte Lufthansa Cargo AG mit 5000 Mitarbeitern 1,7 Mio. Tonnen Fracht und erzielte dabei einen Umsatz von 3,9 Mrd. DEM.
Die Ablösung des bestehenden SAP R/2 Systems (Release 4.3) wurde notwendig, da dieser Releasestand weder eurofähig ist, noch das Jahr 2000 verarbeitet werden konnte.
So wurde im Oktober 1995 vom Lufthansa Konzernvorstand entschieden, dass bei allen großen Konzerntöchtern SAP R/3 in den Bereichen externes und internes Rechnungswesen und Marterialwirtschaft eingesetzt wird. Mit der Einführung von SAP R/3 sollten gleichzeitig die dezentralen Rechnungswesensysteme integriert und damit die Systemlandschaft bereinigt werden.
Projektstart und -organisation
Projektstart: 01.01.1996
Die Projektorganisation wurde geprägt durch die Verzahnung der gemeinsam genutzten Systeme und Geschäftsprozesse der Lufthansa AG und Lufthansa Cargo AG. Es wurden 3 Projekte gebildet:
- Einführung/Migration Lufthansa Cargo AG
- Einführung/Migration Lufthansa AG
- Anbindung der gemeinsam genutzten Vorsysteme
Innerhalb der Projekte wurden Arbeitsgruppen nach Themengebieten gebildet:
- Customizing je SAP R/3-Modul (FI, CO, PS, FI-AA, MM, SD)
- Datenmigration
- modulübergreifende Themen (z.B. weltweite Druckausgabesteuerung)
Gesteuert und koordiniert wurden die Projektteams durch ein gesellschaftsübergreifendes Review-Board.
Wesentliche Projektergebnisse
Die ersten Aktivitäten bestanden aus der Systemanalyse der existierenden Systeme und Prozesse. Wichtigstes Ergebnis dieser Projektphase und die Basis für das weitere Vorgehen war die Entscheidung über die Abbildung der beiden Gesellschaften innerhalb des SAP R/3-Systems:
- 1 Mandant (gemeinsam für Lufthansa Cargo AG und Lufthansa AG)
- 1 Kontenplan (ca. 3000 Konten)
- 2 Kostenrechnungskreise (jeweils 1 Kostenrechnungskreis je Gesellschaft)
- 260 Buchungskreise (ca. 130 je Gesellschaft zur Abbildung der lokalen Hauswährung)
- 1 zusätzliche Hauswährung (Konzernwährung DEM zur Erstellung der Abschlüsse)
- 1 buchungskreisübergreifendes Ledger
Einführungsszenario
Um die Komplexität zu reduzieren und den Einführungsaufwand zeitlich zu strecken, wurde eine stufenweise Einführung gewählt:
- 01.01.1998: Stammdaten CA und PS (inkl. Dauerschnittstellen zwischen R/2 und R/3 für CO/PS-Bewegungsdaten)
- 01.06.1998: Stammdaten MM
- 15.06.1998: Stammdaten FI
- 03.07.1998: Datenmigration FI-AA, FI-Bewegungsdaten
- 15.07.1998: PS-Bewegungsdaten aus den Jahren 1995-97
Parallel zum Systemaufbau und -customizing startete im April 1997 die Arbeitsgruppe zur Konzeption der Datenmigration. Diese Arbeitsgruppe, bestehend aus 10 Mitarbeitern, wurde wegen der großen gegenseitigen Abhängigkeiten projektübergreifend gebildet, wobei wesentlichen Aufgabenbblöcke von B.i.TEAM-Mitarbeitern geplant und realisiert wurden.
Für die Datenübernahme mußten abweichende Datenstrukturen und Daten unterschiedlicher Qualität aus
- 2 R/2-Systemen mit ca. 15 Buchungskreisen und 1 Lufthansa Cargo AG-spezifisches Ledger und
- 3 Eigenentwicklungen an ca. 40 Standorten berücksichtigt werden.
Mengengerüst
Quelle: R/2-RF:
- 3.000 Sachkonten
- 5.000 Kreditoren
- 4.000 Debitoren
- 900.000 offene Posten
Quelle: R/2-RF-GL:
- 15.000 Anfangssalden aus dem General Ledger des R/2
Quelle: R/2-RA:
- 30.000 Anlagen
Quelle: R/2-RK:
- 1.000 Kostenstellen
Quelle: R/2-RK-P:
- 200 Projekte
Fremdsysteme:
- 15.000 Kontokorrentstammsätze
- 100.000 offene Posten
Neben den unterschiedlichen Datenquellen flossen in das Konzept auch Anforderungen für die Umstrukturierung des Kontenplans, die Neustrukturierung der Kontokorrente und der Nummernkreise sowie die Einführung der Konzernwährung in den ausländischen Niederlassungen ein.
Um diese Anforderungen abzudecken und eine konsistenste Übernahme zu gewährleisten, wurde eine zentrale Steuerungstabelle mit ca. 4500 Einträgen entwickelt.
SAP-Migrationstools versus Eigenprogrammierung Nach detaillierter Untersuchung wurde entschieden, dass die Migrationstools nur im Bereich der Anlagenübernahme sinnvoll eingesetzt werden können.
Gegen den Einsatz im bereich FI sprach, dass für die Übernahme der Stammdaten und Belege aus den Vordersystemen (nicht R/2) in jedem Fall Übernahmeprogramme erstellt werden mussten. Diese Übernahmeprogramme konnten R/3-seitig auch für Daten der Übernahme-R/2-Systeme genutzt werden. Durch die Strukturänderungen zwischen R/2 und R/3 mussten ursprünglich buchungskreisinterne R/2-Belege in buchungskreisübergreifende R/3-Belege umgesetzt werden, was mit den SAP Migrationstools nicht möglich ist.
Neben den maschinellen Übernahmen wurde beschlossen, einen Teil der Daten (Kontenplan, einzelne Kontokorrentstammdaten, Bestellanforderungen, Bestellungen und Kontrakte) manuell zu übernehmen.
Es gab viel zu tun, doch was waren die Aufgaben von B.i.TEAM?
- Gesamtkonzept für Lufthansa Cargo AG
- Programmierung der Übernahmeprogramme in R/2 und R/3
- PS-Stammdaten und Bewegungsdaten
- Sachkontensalden aus R/2-Ledger
- FI-Belege aus R/2-Systemen
- Test aller Übernahmeprogramme
- 2 Testdatenübernahmen inkl. Abstimmung und Fehlerkorrektur gemeinsam mit Fachabteilung und Customizingteams
- Fachliche Unterstützung bei der Vorbereitung im R/2
- Unterstützung bei der Abstimmung zweischen R/2 und den Vorsystemen
- Planung und Koordination der produktiven Datenübernahme
- Durchführung der Produktivübernahme für Lufthansa Cargo AG als R/2
- Dokumentation der Datenmigration für die Wirtschaftsprüfung
- Abstimmung der produktiven Datenmigration Produktivübernahme
Für die Produktivübernahme war der Zeitraum vom 03. bis 12.07.1998 geplant. Nach 15 Monaten Projektlaufzeit war es endlich soweit; am 03.07.1998 um 19.00 Uhr waren alle Vorsysteme abgeschlossen und abgestimmt. Dieses war für uns die Freigabe für den Start der Produktivumsetzung. Bis Sonntagabend (05.07.1998) waren die meisten Konten übernommen und bereits abgestimmt. Allerdings fehlten noch 500.000 Belege, die schließlich am Dienstag abend eingespielt waren. Parallel stimmten die Fachbereiche mit Unterstützung von B.i.TEAM die Konten ab und klärten die wenigen aufgetretenen Differenzen. Am 08.07. wurden die Materialbestände und am 09.07. schließlich die Anlagen per Migrationstools eingespielt. Der Donnerstag wurde hauptsächlich für die Abstimmung der Anlagenübernahme und die Ausführung nachgelagerter Programme genutzt.
Die schriftliche Abnahme der Migration durch die Fachabteilungen und den Projektleiter dokumentiert unseren erfolgreichen Einsatz bei Lufthansa Cargo AG. Die Freigabe des Produktivsystems erfolgte am 09.07.1998.
Seit dem 10.07.1998 gibt es ca. 200 neue SAP R/3-Anwender bei Lufthansa Cargo AG und 500 bei Lufthansa AG. In der Endausbaustufe werden weltweit ca. 1600 User "unser" System nutzen. Fit für die Zukunft Mit der erfolgreichen Einführung von SAP R/3 hat Lufthansa Cargo AG nun ein technisch und betriebswirtschaftlich modernes System. Dieses bildet die Basis für weitere Projekte wie z.B.: Ablösung der dezentralen Vorsysteme Vorbereitung der Doppelwährungsphase Hauswährungsumstellung auf EURO Ausbau der Funktionalitäten (z.B. Einführung Prozesskostenrechnung) ... und für eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Das "Lufthansa Cargo AG-B.i.TEAM"
